Manfred Krebs: Gold und Diamanten

Segelflugbezirksmeisterschaften Weser-Ems und Vergleichsfliegen um den Manfred-Krebs-Pokal („Manfred-Krebs-Gedächtnisfliegen“)

 

Der Osnabrücker Verein für Luftfahrt e.V. (OVfL) ist vom 29. Mai bis zum 02. Juni 2019 Ausrichter und Veranstalter des 40. Vergleichsfliegens um den „Manfred-Krebs-Pokal“ („Manfred-Krebs-Gedächtnisfliegen“) auf dem Flugplatz Achmer. Inzwischen eingebettet in die Segelflugbezirksmeisterschaften Weser-Ems, wissen die meisten der heutigen Teilnehmer*innen vermutlich nichts zu Ursprung und Namensgebung des viertägigen Pokalfliegens.

 

Daher ein kurzer Blick zurück:

Die Segelflugvereine im ehemaligen Regierungsbezirk Osnabrück schlossen sich im Jahre 1975 zum Fachverband Segelfliegen im Bezirkssportbund Osnabrück zusammen, um im Rahmen der Sportorganisation die Möglichkeit zu schaffen, reguläre Bezirksmeisterschaften durchzuführen und hierfür auch Zuschüsse zu bekommen.


Nach der Gebietsreform 1972 wurden die Regierungsbezirke Oldenburg, Ostfriesland und Osnabrück aufgelöst und zum neuen Regierungsbezirk Weser-Ems zusammengeschlossen.

 

Einige Jahre später, im Jahr 1980, passten sich auch die Sportorganisationen den neuen politischen Grenzen an. Die alten Bezirkssportbünde wurden aufgelöst und gründeten den neuen Bezirkssportbund Weser-Ems. Dieses hatte zur Folge, dass sich auch der Segelflug-Fachverband Osnabrück, dem damals die Vereine in Bohmte/Bad Essen, Melle, Lingen, Nordhorn, Quakenbrück, Papenburg/Surwold und Osnabrück angehörten, auflösen musste, um dann als Fachverband Weser-Ems neu gegründet zu werden.

 

Auf der Arbeitstagung des Fachverbandes Segelflug im Bezirkssportbund Osnabrück, am 19. Januar 1980 in Achmer, wurde die Vorgehensweise der Auflösung diskutiert und die geplante Neugründung „Weser-Ems“, die dann später im selben Jahr in Cloppenburg erfolgte, erörtert. Insbesondere die Durchführung der zukünftigen Segelflugbezirksmeisterschaften Weser-Ems, die nach der Neugründung wenige Jahre später erstmalig 1983 in Achmer stattfanden, wurde besprochen. Hinsichtlich der „alten“ Bezirksmeisterschaft Osnabrück einigten sich die Anwesenden darauf, diese in der bisherigen Form nicht mehr weiterzuführen, sondern stattdessen jeweils vom Himmelfahrtstag bis zum darauffolgenden Sonntag (vier Tage) mit den bisherigen Vereinen ein Pokalfliegen durchzuführen, das insbesondere auch den Nachwuchs an den Leistungssegelflug heranführen sollte.

 

Auf Vorschlag von Heinz Lampenschulten vom Luftsportverein Lingen, sollte diese Veranstaltung in „Manfred-Krebs-Pokalfliegen“ umbenannt werden, zum Gedächtnis an den im Oktober 1979 verstorbenen Sportleiter des OVfL. Diese Idee fand großen Anklang und so erhielt die Veranstaltung auf Beschluss der anwesenden Vereinsvertreter die Bezeichnung:

 

„Vergleichsfliegen um den Manfred-Krebs-Wanderpokal“

Nach dem Turnus der „alten“ Bezirksmeisterschaft sollte erster Austragungsort Melle sein und es wurde gleichzeitig festgelegt, das Pokalfliegen jährlich in alphabetischer Reihenfolge auf einem anderen Flugplatz des alten Bezirks durchzuführen, so dass die nächsten Austragungsorte jeweils schon feststanden.

 

Doch warum wurde Manfred Krebs als Namensgeber des Vergleichsfliegens gewählt?

Manfred Krebs wurde 1951 Mitglied im Osnabrücker Verein für Luftfahrt und gestaltete die Entwicklung des Vereins seit dem Wiederaufbau und der Wiederzulassung des Segelfluges nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich mit. Als langjähriges Vorstandmitglied des OVfL und passionierter Leistungsflieger engagierte er sich in den 1960er und 70er Jahren außerordentlich für den Leistungssegelflug und setzte mit seinen Überlandflügen neue Maßstäbe für die damalige Zeit.

 

Nach Anschaffung eines eigenen Segelflugzeuges gelang ihm 1974 der erste Dreiecksflug über 300 km vom Flugplatz Achmer aus, und er war 1976 auch der erste Pilot unseres Vereins, der den Streckenflugdiamanten mit einem Dreiecksflug von 500 km erflog. Für die 1970er Jahre in Nordwestdeutschland eine hervorragende Leistung. Zudem machte er seinen Höhenflug für die Gold‑C von über 3.000 m nach Freigabe durch die Flugsicherung in einer Wolke über Achmer und konnte im Wellensegelflug über den Alpen bei Innsbruck eine Flughöhe von über 6.000 m erreichen. Für diese Erfolge wurde ihm vom DAeC das Segelfliegerleistungsabzeichen in Gold mit drei Diamanten verliehen, die höchste Auszeichnung im Segelflug. Damit gehörte er zu den besten Segelfliegern Niedersachsens.

 

Durch seine Leidenschaft für die Fliegerei riss er andere Vereinsmitglieder unermüdlich mit und motivierte sie, es ihm gleichzutun. Ferner stellte er sich jedoch auch regelmäßig dem Verein als Flugleiter und Schlepppilot zur Verfügung und ermöglichte damit vielen Flugschülern auch bei Wetterlagen ohne Thermik die Durchführung des Flugbetriebes. Ein Anliegen, das ihm ebenso wichtig war, wie seine eigene Fliegerei.

 

 

Manfred verstarb leider viel zu früh mit nur 44 Jahren am 20. Oktober 1979. Zu dieser Zeit war er als Sportleiter des Vereins tätig. Sein Todestag jährt sich nun zum 40sten Mal und dem Osnabrücker Verein für Luftfahrt ist es eine Ehre, mit der Ausrichtung des zugleich 40sten Vergleichsfliegens seiner zu gedenken.

Text: Astrid Klukkert nach Aufzeichnungen von Manfred Hermeling ( 2010)

Quellen:

Hermeling, Manfred (2009): 100 Jahre Luftsport in Osnabrück und im Osnabrücker Land 1909 bis 2009. Eigenverlag. Hasbergen-Gaste.

Chronik des OVfL: Privatsammlung von Manfred Hermeling † 2010.

 

Osnabrücker Verein für Luftfahrt e.V. (1979): Flugsport 1979 (Jahresbericht).

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